Geld macht glücklich ...

Ein höheres Einkommen bedeutet gleichzeitig eine höhere Zufriedenheit, stimmt das wirklich? Wenn es nach Studien geht, trifft das zu. Das Streben nach Reichtum wirkt sich aber negativ auf die Lebenszufriedenheit aus.

„Geld allein macht nicht glücklich, aber es ist besser, in einem Taxi zu weinen als in der Straßenbahn“, sagte der im Jahr 2013 verstorbene Publizist Marcel Reich-Ranicki. Würden die Menschen gefragt werden, wie viel sie gerne verdienen würden, würde die Antwort lauten: Mehr als jetzt! Gleichzeitig heißt das aber auch, dass der schnöde Mammon allein nicht glücklich machen würde.

Geld lässt nur wenige Menschen kalt. Ständig werden Listen mit den reichsten Menschen der Welt veröffentlicht und Bilder gezeigt, wie die Reichen und Schönen hausen, Urlaub machen, welche Autos sie fahren oder Jachten sie besitzen. Viele Menschen glauben, dass sie glücklicher wären, wenn sie mehr Geld haben würden.

Selbst Reiche würden behaupten, dass sie glücklicher wären, hätten sie noch mehr Geld. Das mag grundsätzlich stimmen, ist aber nicht die ganze Wahrheit.

In Untersuchungen findet sich eine nichtlineare Beziehung zwischen Einkommen und Geld. Wer beispielsweise ein eher unterdurchschnittliches Jahreseinkommen von 20.000 Euro bezieht, der erlebt einen starken Glückszuwachs, wenn sich das Einkommen auf 40.000 Euro verdoppelt.  Wer es schafft, sein Gehalt noch einmal zu vervielfachen und plötzlich 65.000 Euro pro Jahr verdient, erhält einen weiteren Glücksbonus. Allerdings fällt dieser deutlich geringer aus als beim ersten Sprung. Zwischen 80.000 und 100.000 Euro verliert sich der Zusammenhang fast vollends.

Um überhaupt ein Gefühl zu bekommen, ob man genug Geld hat und wie glücklich man damit ist, brauchen wir Vergleichswerte. Ein Beispiel: Werden Menschen gefragt, ob sie lieber in einer Firma arbeiten, in der man selbst 100.000 Euro pro Jahr und der Rest 130.000 Euro verdient oder lieber in einer Firma arbeiten, in der alle Mitarbeiter 60.000 Euro verdienen und man selbst 80.000 Euro an Einkünften bezieht, entscheiden sich die meisten Menschen für Letzteres. Eine komplett irrationale Entscheidung. Der Mensch ist offenbar lieber der große Fisch im kleinen Teich als umgekehrt.

Kann Geld glücklich machen, wenn man es richtig ausgibt?

Wir alle brauchen Geld, um ein Dach über dem Kopf zu haben, Rechnungen zu zahlen und um uns Essen zu kaufen. Wir alle wachsen mit dem Gedanken auf, dass Geld allein nicht glücklich machen kann, und doch streben viele von uns nach Reichtum. Was aber, wenn wir uns selbst am glücklichsten machen, indem wir unser Geld mit anderen Menschen teilen?

Wir nennen es #spendhappiness.

Geld alleine hat aber definitiv nichts mit Glück zu tun. Im Gegenteil, wer ständig nach noch mehr Geld strebt, wird eher unglücklicher werden. Denn er macht damit sein Lebensglück stark von der extrinsischen Motivation abhängig. Laut der Selbstdeterminationstheorie, dem einflussreichsten Gedankengebäude der letzten 30 Jahre, heißt es zur Frage, was Menschen im Kern antreibt, dass er grundsätzlich nach ganz anderen Dingen als Geld strebt.  Nämlich nach Bindung zu anderen Personen, Kompetenzerleben und nach Selbstwirksamkeit und Autonomie.

Widmet sich der Mensch einem dieser drei Bedürfnisse, wird das als intrinsisch motivierend erlebt. Es entsteht ein gewisses Flowgefühl. Das Spüren dieses inneren Antriebs geht mit einem hohen Maß an Zufriedenheit einher. Geld spielt dabei keine Rolle. Wer sich also einen Beruf nur des Geldes wegen aussucht, opfert für den finanziellen Erfolg mit großer Wahrscheinlichkeit ein Stück Lebensglück.

Geld macht glücklich, wenn es richtig ausgegeben wird

Geld kann sehr wohl glücklich machen, erklärt Harvard-Professor Michael Norton. Doch das gelingt nur dann, wenn es richtig ausgegeben wird.

Menschen geben es nur ungern zu, aber Geld hat einen erheblichen Einfluss auf unser Glücksempfinden. Wer kennt es nicht das Gefühl, wenn man am letzten des Monats am Smartphone via Onlinebanking sieht, dass das Gehalt bereits überwiesen worden ist. Die Wissenschaft hat mittlerweile auch bereits bestätigt: Je mehr Geld wir haben, desto glücklicher sind wir. Zumindest auf den ersten Blick.

Denn Geld macht viel weniger aus als viele Menschen glauben. Der Effekt der Gehaltserhöhung wird überschätzt bzw. hält nur sehr kurz an. Ähnlich verhält es sich mit den Ausgaben. Wer sein Geld möglichst sinnvoll investieren möchte, gibt es für Erlebnisse aus und nicht für materielle Dinge. Der Grund ist ein einfacher: Materielle Dinge unterliegen dem Gewöhnungseffekt, das heißt, sie verlieren schnell ihren Reiz und sind schon nach wenigen Wochen nicht mehr neu. Anders verhält es sich bei positiven Erlebnissen.

„Wir haben entdeckt, dass der Grundgedanke, das Geld nicht glücklich machen kann, weder richtig noch falsch ist“, sagt Harvard-Professor Michael Norton. Vielmehr habe man beobachtet, dass die Art und Weise, wie wir unser Geld ausgeben, nicht wirklich Glück kauft. Es geht hier vor allem um Käufe, die der Mensch für sich selbst tätigt.

Norton hat mit seinem Team untersucht, welche Ausgaben Menschen also wirklich glücklich machen. Zum einen – sagt er – solle man sein Geld anstatt in materielle Dinge zu investieren, in Erfahrungen einsetzen. Und zum anderen statt Geld für uns selbst auszugeben für andere zu investieren. Sei es ein kleines Geschenk, eine Fortbildung oder eine Reise. Beides steigert das Glücksempfinden deutlich.

Ein nicht zu unterschätzender Aspekt ist auch die Vorfreude und die Erinnerung, die beispielsweise eine Reise begleiten. Dies wirkt sich durchgehend glückssteigernd aus.  „Und zweitens sind Ausgaben für andere Menschen besser für unser Glücksempfinden“, sagt Norton. Noch habe man nicht alle Länder untersucht, aber die, wo man die Forschung betrieben hat, haben diese These bestätigt. „Egal, ob die USA oder Uganda, die Ergebnisse sind eindeutig!“

Neben der Art und Weise wie wir unser Geld ausgeben, gibt es aber natürlich noch eine Vielzahl anderer Dinge, die Einfluss auf unser Glück nehmen. Wie die zwischenmenschliche Beziehung oder Zeit für ein Hobby. Man habe bei der Studie aber dennoch auf den finanziellen Aspekt geachtet, um Glück zu beschreiben, weil es den Menschen sehr einfach zu vermitteln ist. Ein schickes Auto, eine Wohnung oder ein Haus aber auch Kleinigkeiten: „Das steigert unser Glücksempfinden nicht“, so Norton. Und dennoch geben wir das meiste Geld für uns selbst aus.

Wie können wir uns Glück kaufen?

Michael Norton ist Professor an der Harvard Business School und hat sich ebenfalls mit dieser Frage beschäftigt. In seinem Buch „Happy Money“ und seinem über drei Millionen Mal geklickten TED Talk spricht er über den Versuch, Menschen mit Geld glücklich zu machen.

Er fand heraus, dass wir uns durchaus Glück kaufen können – indem wir unser Geld für andere ausgeben. Außerdem hat seine Studie gezeigt, dass wir uns selbst längerfristig glücklich machen können, wenn wir in Erlebnisse investieren.

#spendhappiness

Norton erklärt: „Statt diese zehn US-Dollar für diese Sache auszugeben, gib das Geld lieber dafür aus.“ Diese Verhaltensänderung wäre sehr einfach zu erreichen. Schwieriger sei es zu beschreiben, wie Menschen ihre Zeit gestalten. „Wenn ich also sage, ‚Spenden macht glücklich, gib doch 100 US-Dollar an eine wohltätige Organisation’, machen das viele Menschen. Wenn ich aber sage: ‚Spenden macht glücklich, hilf doch eine Stunde in einer wohltätigen Organisation als Freiwilliger aus’, machen das plötzlich weniger Menschen. Denn plötzlich geht es um Zeit und nicht mehr um Geld.“

Aber wie kann man generell sinnvollere Finanzentscheidungen treffen? Wie etwa ein besseres Verständnis von Finanzprodukten, geringere Schulden und mehr Geld für den Ruhestand. Menschen sind alles andere als rational, wenn es um das eigene Geld geht. Meist wird das Einkommen ausgegeben, sodass am Ende des Monats eigentlich nichts mehr übrigbleibt und die Zufriedenheit somit kaum verbessert wird.

Norton hat hier eine einfache Erklärung: „Sparen ist langweilig, weil es vom Lohnzettel direkt auf die Bank wandert.“ Es wird quasi nicht wirklich wahrgenommen. Norton und seine Studenten haben versucht, solche Dinge attraktiver zu machen. „Ein Beispiel hat ein Student von mir entworfen: Dabei kann man Teile seiner Kreditkartenrechnung abbezahlen, indem man sie online anklicken kann, wodurch sie am Bildschirm explodieren.“ Das Resultat war, dass die Kunden ihre Schulden schneller abbezahlt haben. Wenn man also den Prozess spannender macht, ist man schneller bereit seine Schulden zu bezahlen.

Was den Österreichern wirklich wichtig ist...

Die bedarfsgewichteten Ausgaben pro Kopf und Monat betragen laut einer Erhebung der Statistik Austria 1.970 Euro. Es gibt Unterschiede zwischen Stadt und Land sowie Männern und Frauen. Aber für was geben die Österreicher das meiste Geld aus und was ist ihnen besonders wichtig?

Die Haushaltsausgaben liegen im Gesamtdurchschnitt bei 2.990 Euro. Das geht aus einer Umfrage hervor, die alle fünf Jahre von der Statistik Austria veröffentlicht wird. Je größer die Haushalte, desto geringer sind die monatlichen Pro-Kopf-Ausgaben. Pro Kopf werden bedarfsgewichtet im Gesamtdurchschnitt 1.970 Euro ausgegeben.

64 Prozent der Ausgaben fließen in vier Kategorien: Wohnen und Energie, Ausgaben für Verkehr, Ernährung und Freizeit, Sport und Hobbys. Sich die Freizeit zu versüßen, ist den Österreichern insgesamt sogar 28,4 Milliarden Euro wert. Bei den Urlauben werden Pauschalreisen immer mehr zum Ladenhüter. Vielmehr geht es den Menschen darum, den Urlaub selbst zu organisieren. Do it yourself spielt eine große Rolle.

Auch Bekleidung wird den Österreichern immer wichtiger. Insgesamt geben Herr und Frau Österreicher 8,4 Milliarden Euro für Kleider aus. Damen geben doppelt so viel dafür aus wie Männer. Ob der Grund darin liegt, dass auch Schuhe in diesen Bereich fallen, geht aus der Studie nicht hervor.

Wussten Sie schon?

Wollen wir uns also langfristig glücklich machen, müssen wir anfangen, unser Geld für andere Menschen auszugeben anstatt nur für uns selbst. Oft wird die Bedeutung von Erlebnissen unterschätzt, da ein Städtetrip gefühlt weniger Glück spendet als eine teure Uhr, die man dann jahrelang trägt.

Doch genau da liegt der Trugschluss: Erlebnisse befriedigen nicht nur unsere psychologischen Bedürfnisse, sondern prägen auch unsere Persönlichkeit mit. Wir können sie immer wieder abrufen und mit anderen teilen. Auf diese Weise stärken Erlebnisse auch unsere sozialen Kontakte, noch lange nachdem sie vorbei sind, und haben so auch einen anhaltend positiven Effekt auf unser Glücksempfinden.

Der mit Abstand größte Block ist aber Bauen und Wohnen. 49 Milliarden Euro wurden hierfür im letzten Jahr ausgegeben. Sehr stark zugenommen haben die Ausgaben für Gesundheit und dass obwohl dieser Bereich durch Sozialabgaben und Steuermittel getragen wird. Der Grund dafür ist ein einfacher. Privatpatienten haben einen Sonderstatus, sie müssen keine langen Wartezeiten in den Ordinationen in Anspruch nehmen. Dafür investieren die Menschen offenbar gerne.

Anders verhält es sich dagegen im Bereich Weiterbildung. Hier sehen die Österreicher den Staat und den Arbeitgeber in der Pflicht. Man ist schlichtweg nicht bereit, hierfür Geld auszugeben. Sehr wohl bereit ist man dagegen in Erotikprodukte zu investieren. Nämlich um 135 Millionen Euro mehr als in die eigene Bildung.

Und dass Fleisch für die Österreicher nach wie vor ein wichtiger Bestandteil unserer Ernährung ist, lässt sich nicht leugnen. Wobei der Trend hin zu Geflügelfleisch geht. Einen Boom erleben nach wie vor Bestelldienste.

 

Im Überblick: Wofür die Österreicher das meiste Geld ausgeben

Bauen und Wohnen

27.4%

Freizeit und Urlaub

15.9%

tägliche Einkäufe

14.9%

Mobilität

11.4%

persönliche Dinge und Dienstleistungen

9.3%

Kreditrückzahlungen

7.0%

Gesundheit und Pflege

6.8%

Kommunikation und Medien

4.7%

Bildung und Kinderbetreuung

1.2%

Sonstiges

1.5%

Quelle: Statistik Austria

Glücklich werden: So einfach kann es gehen

Mehr Geld am Ende des Monats, ein schicker Sportwagen, eine größere Wohnung oder ein Luxusurlaub wie die Hollywood-Stars, das macht uns glücklich? Auf was es wirklich ankommt und warum die Dänen so glücklich sind.

Es muss immer mehr sein, die Dinge, die wir haben, machen uns nicht glücklich. Wie oft haben Sie sich schon sagen hören: „Dieses Kleidungsstück oder diese Schuhe brauche ich unbedingt, um glücklich zu sein.“ Die Freude darüber ist aber nur anfänglich groß, lässt aber nach. Spätestens nach dem zweiten oder dritten Mal tragen, ist das Kleidungsstück schon nicht mehr neu und die Freude bei weitem nicht mehr so groß.

Auf materielle Dinge kommt es also nicht an. Dass das Glück dieser Erde nicht immer mit viel Geld zusammenhängt, zeigen viele unterschiedliche Untersuchungen. Ganz besonders wichtig ist das Glück der Mitbürger dem Staat Bhutan. Dort steht das Recht auf Glück seit 2008 sogar in der Verfassung. Mit einem dicken Fragebogen misst das Himalaya-Königreich sein „Bruttonationalglück“. Diesen Begriff hat in den siebziger Jahren der damalige König Jigme Singye Wangchuck geprägt. Damals als Alternative zum Bruttoinlandsprodukt.

Das Bruttoinlandsglück des buddhistischen Landes umfasst neun Domänen. Neben Gesundheit und Lebensstandard spielen auch spirituelle Bedürfnisse und Verwendung von Zeit eine Rolle. Aber ist das Konzept des Bhutans auch auf Europa übertragbar? „Nicht zur Gänze“, meint Christian Kroll. Er ist Mitglied eines britischen Expertengremiums zur Messung des nationalen Wohlstands. Dennoch sollte man auch in Europa systematischer fragen, welche Rolle das Glück der Bürger für die praktische Politik spielt.

Eine Umfrage, die in Österreich durchgeführt wurde, besagt, dass 75 Prozent der Österreicher glücklich sind. Im Westen sind die Einwohner zufriedener als im Osten. Am zufriedensten sind die Tiroler mit sogar 82 Prozent. Am unzufriedensten die Wiener und die Burgenländer mit 69 Prozent. Die wichtigsten Glücksfaktoren sind dabei Familie, Freunde und Gesundheit. Nur jeder Fünfte definiert Glück damit, keine finanziellen Sorgen zu haben.

Glücklicher in 60 Sekunden

Eine Glücksformel gibt es wohl noch nicht. Was aber gibt es für Neigikeiten und Erkenntnisse auf deisem Gebiet?

Die Antworten in 60 Sekunden

Österreich liegt damit auf Rang zwölf der glücklichsten Länder weltweit. Am glücklichsten sind die Dänen.  Das Geheimnis steckt in „Hygge“. So heißt die Lebensphilosophie der Dänen. Eine eindeutige Übersetzung des Wortes gibt es nicht. Langenscheidt übersetzt es mit „gemütlich, angenehm, nett und gut“. Im weitesten Sinne kann man es aber auch als „Abwesenheit jeglicher Störfaktoren“ oder „gemütliches Beisammensein“ übersetzen.

Viel wichtiger ist aber: „Hygge“ ist nicht nur ein Wort, es ist eine Lebenseinstellung. Eine, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, das Leben in vollen Zügen zu genießen. Für „Hygge“ braucht man nicht viel. Im Grunde nur sich selbst. Es geht darum, dass man sich und anderen das Leben so angenehm und schön wie möglich gestaltet, sich selbst gerne hat, sich oder anderen etwas Gutes tut. Der dänische Anthropologe Jeppe Linnet erklärt in der SZ: „Für die Dänen ist ‚Hygge’ der Ausgleich zu einem stressigen Arbeitstag und die Antwort auf die dunklen und eiskalten Winterabende.“

Generell schaffen es die nördlichen Länder glücklicher zu sein. Denn hinter Dänemark rangieren mit Island, Norwegen und Finnland sowie die Niederlande und Schweden sechs nördliche Länder unter den ersten zehn.

Wie wirkt sich Sharing Economy auf die Wirtschaft aus?

Gutes Teilen, schlechtes Teilen. Wir teilen immer mehr, Autos, Musik, Wohnungen und Sofas. Kann die Sharing Economy die Welt besser machen?

Der US-amerikanische Vorzeigesoziologe Jeremy Rifkin, der unter anderem auch die EU-Kommission berät, ist überzeugt, dass die Ökonomie des Tauschens und Teilens ihren Siegeszug über das bisherige Wirtschaftssystem antreten wird. Er geht sogar so weit und sagt: „Es wird zum Niedergang des Kapitalismus führen. Es wird ihn nicht mehr lange geben, wie wir ihn kennen.“ Demnächst würden wir in einer „sozialeren Weltgemeinschaft“ leben, in der wir Dinge gemeinsam besitzen, statt von großen Profiten zu träumen.

Es ist eine Tatsache, dass immer mehr Leute teilen. Wohnungen werden Fremden überlassen, damit diese dort ihren Urlaub verbringen können. Das eigene Auto wird beim Fahrdienst Uber angeboten. Haushalts- oder Gartengeräte werden vermietet und ein eigenes Auto muss man sich nicht mehr unbedingt anschaffen. Vielmehr wird auch hier geteilt. Carsharing, Car to go oder ein Gemeinschaftsauto liegen voll im Trend. Die Tendenz ist stark steigend.

Autokonzerne reagieren bereits, indem sie sich neue Geschäftsfelder suchen. Vor allem im Bereich Big data. Daimler hat beispielsweise bereits 300.000 LKWs mit Sensoren ausgestattet, die Daten über Verkehr und Wetter sammeln und zurück in die Zentrale schicken. Die großen Energieunternehmen verwandeln sich gerade von Versorgern zu Sharing-Plattformen. Was Facebook für die Kommunikation ist, könnten die Stromanbieter für die Energie werden.

„Wir leben längst in einer Sharing Economy“, sagt der tschechische Ökonom Tomas Sedlacek. „Eigentlich braucht man Geld nur, wenn man sich aus seiner eigenen Organisation herausbewegt.“ Schließlich stellen sich Kollegen in einer Firma untereinander keine Rechnungen und auch innerhalb der Familie wird niemand für seine Dienste bezahlt. Es geht um ein Geben und ein Nehmen. Wenn Sie am Abend etwas Feines zu essen kochen, wird Ihre Frau möglicherweise danach den Abwasch übernehmen. Wir haben hier eine relationale Beziehung zueinander und keine transaktionale. Dann nämlich würde Ihre Frau sagen: „Gut, dass du gekocht hast, ich gebe dir 50 Euro, wenn du auch noch den Abwasch erledigst!“ Eine zwischenmenschliche Beziehung, die auf Transaktion aufgebaut ist, würde wohl alles andere als lange halten.

Sowohl Rifkin als auch Sedlacek halten das freiwillige Kollektiv für die Organisation der Zukunft. Wenn sich Gleichgesinnte in einer Region zusammenschließen, erlaubt es ihnen die Technologie, sich von den Angeboten großer Konzerne größtenteils unabhängig zu machen. Relativ preiswert können sie ihren eigenen Strom herstellen, ihre Autos teilen oder in einer großen Kompostierungsanlage Gas produzieren. Möglich wäre es auch, Plattformen zu bauen, auf denen das Sharing gegen Daten oder eine Provision angeboten wird und auf diese Weise Profite erwirtschaftet werden.

Die Historikerin Luise Tremel sammelt Ideen, wie aus Teilen ein gutes Teilen wird, das die Menschen wirklich sozial weiterbringt. In Tremels Augen ist das in drei Fällen gegeben: Erstens: Wenn weniger Ressourcen verbraucht werden; zweitens: Wenn Teilen mehr menschliche Begegnungen schafft; drittens: Wenn es denjenigen Zugang zu Waren, Arbeit und Dienstleistungen ermöglicht, die diesen Zugang sonst nicht haben. Ein Beispiel ist etwa die Siedlung Burgunder in Bern. Die Bewohner haben eine Siedlung aus nachhaltigen Baustoffen gebaut. Was dort fehlt, sind Parkplätze. Statt den knappen und für die Bewohner kostbaren Raum mit Parkplätzen zuzupflastern, wurden Grünflächen angelegt und es wurde auf Carsharing gesetzt.

Im Grunde wollen solche Initiativen eines: Dass Menschen nicht nur nebeneinander wohnen, sondern wieder mehr miteinander reden. Ein weiterer Zugang, der bereits in einigen Kommunen gelebt wird, ist Parks mit Obst- und Gemüsepflanzen zu bestücken. So kann jeder Stadtbewohner in der Natur sitzen und die Seele baumeln lassen oder auch Garten arbeiten erledigen.

Laut Forschern stehen diese Ideen für das Gute Teilen, weil sie genau eines schaffen: Sie sorgen für mehr sozialen Reichtum.

#sharemoregetmore: Noch nie hat teilen so viel Spaß gemacht wie heute

Die Welt hat sich verändert. Galt es früher als Luxus, sich ein Auto zu kaufen, wird das heute nicht mehr angestrebt. Auch der Urlaub wird oft nicht in Hotels verbracht, sondern in Wohnungen. Teilen ist In und macht zudem auch noch Spaß.

„Teilen, teilen, das macht Spaß, denn wenn man teilt hat jeder was“, diesen Spruch hat wohl jeder schon mal als Kind gehört oder auch schon zu seinen Kindern gesagt. Eine Floskel könnte man jetzt sagen. Mag sein, dass das einmal so gewesen ist, aber heutzutage gibt es immer mehr Menschen, die genau diesen Spruch leben.

Blicken wir zurück in die 1970er und 80er Jahre. Ein Führerschein und ein eigenes Auto zum Geburtstag war das Ziel, um endlich die Freiheit genießen zu können. Das Bild hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Ein wesentlicher Grund dafür ist das starke Bevölkerungswachstum durch Zuzug in urbanen Gebieten.

Städte werden mehr und mehr zu Arbeits- und Lebensräumen. Wo einst noch gefahren, geparkt und gestaut wurde, breiten sich heute Fußgänger- oder Begegnungszonen aus, die Angebote an komplementären individuellen Fortbewegungsmöglichkeiten werden umfangreicher, der öffentliche Nahverkehr wird ausgebaut. Allein in Wien wurde das Fahrradnetz im Vergleich zu den 1990ern von 190 Kilometern auf 1.300 Kilometer ausgebaut. Radfahren ist also in.

Heute setzen zahlreiche Stadtbewohner auf einen Mix aus Öffis, Carsharing und Zufußgehen. Mit der U-Bahn in die City zum Shoppen und mit car2go, DriveNow oder ähnlichen Anbietern den Einkauf bequem nach Hause transportieren. Speziell für Familien bieten sich damit jetzt schon einige kostengünstige Möglichkeiten auch mal aus der Stadt rauszukommen, ohne sich gleich ein Auto anschaffen zu müssen. Schließlich sind die Kosten für ein Auto doch relativ hoch. Geld, das man sich monatlich sparen kann.

Aber nicht nur der Gebrauch von Transportmitteln hat sich stark verändert. Ist man früher in ein Hotel auf Urlaub gefahren und hat die Stadt als Tourist erlebt, so ist es heute das Ziel, sich über Airbnb eine Wohnung zu organisieren. Schließlich erlebt man in einer Wohnung das Leben in der Stadt ganz anders.